8. Januar 2026
Das Wildheuen, einst lebenswichtige Bewirtschaftung steilster Alpenhänge, ist heute fast vergessen. Der Museumsverein Klostertal in Vorarlberg möchte dieses verschwindende Wissen bewahren: Zeitzeugenberichte, historische Quellen und die Dokumentation ehemaliger Wildheugebiete sollen ein altes Kulturerbe sichtbar machen. Im Rahmen dieses grenzüberschreitenden Interreg-Projekts wird das Thema Wilheuen auch in Klosters im Museum Nutli Hüschi neu präsentiert. Hier wurde bereits im Hinblick auf das 800-Jahr-Jubiläum wertvolle Grundlagenarbeit geleistet.

Als "Wildheuen" wird ein Phänomen bezeichnet, das heute in verschiedenen Regionen nur noch in Erinnerungen und Erzählungen präsent ist. "Wildheueter" waren nicht parzellierte Flächen in alpinen Regionen, die - manchmal in Verbindung mit einer Verpachtung - bewirtschaftet werden konnten, um den Heuertrag in den Talflächen und den im Grundbuch eingetragenen Bergmähdern zu ergänzen. Das in den steilen und abgelegenen Lagen gewonnene Heu wurde gelagert und im Winter ins Tal befördert. Oft wird das Wildheuen als Walser-Erbe angesehen. In manchen Regionen wird es auch als Gratheuen bezeichnet. Die Form der Bewirtschaftung wurde in vielen Regionen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts durchgeführt. Der Strukturwandel der Landwirtschaft hat vor einigen Jahrzehnten zur ihrem Ende geführt. 

Projekt des Museumsvereins Klostertal in Vorarlberg

Der Museumsverein Klostertal in Vorarlberg hat sich in den vergangenen Jahren im Rahmen von Projekten mit dem Wildheuen in Teilregionen des Klostertals auseinandergesetzt. Dabei ist deutlich geworden, wie sehr diese Bewirtschaftung extremer Steilflächen mittlerweile aus dem Bewusstsein der Bevölkerung entschwunden ist. Dem soll in diesem Projekt entgegengewirkt werden. Der Verein beabsichtigt, das bei Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vorhandene, überlieferte Wissen zum Thema zu sammeln und zu dokumentieren. Ergänzend dazu werden historische Quellen gesammelt. Ein dritter Teil ist die Dokumentation der Wildheugebiete vor Ort und ihre Beschreibung.

Wissen aus Klosters wird neu aufgenommen

Aufgrund der Topographie war das Wildheuen in Graubünden weniger verbreitet als beispielsweise in der Innerschweiz (Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden), doch es gab einzelne Orte, wo dies ausgeprägt der Fall war. So etwa in Klosters, wo das Wildheuen bis in die 1970er-Jahre gepflegt wurde. Der von dort stammende Peter Guler hat mit noch lebenden Zeitzeugen über 200 Wildheugebiete in der Gemeinde Klosters benannt und auf Landkarten verzeichnet. Diese Arbeit war die Grundlage für eine Publikation und eine Ausstellung in Klosters im Rahmen des 800-Jahr-Jubiläums im Jahre 2022.

Ausstellungen in Klosters und im Klostertal

In einem sogenannten Interreg-Kleinprojekt wird Wissen rund um das Thema "'Wildheuen" gesammelt vermittelt und grenzüberschreitend im Klostertal und in Klosters in Austausch gebracht. Bisher lokale Initiativen erhalten dadurch einen Mehrwert. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern das Wildheuen als immaterielles Kulturerbe der Walser angesehen werden kann, deren Spuren auch im Klostertal nachweisbar sind.

Die im Rahmen dieses Projekts erarbeitete Ausstellung zum Thema "Wildheuen" wird zunächst von Ende Januar bis Ende Februar 2026 im Museum Nutli Hüschi in Klosters gezeigt. Danach ist die Präsentation im April/Mai im Klostertal-Museum in Wald am Arlberg. Zum Abschluss des Projekts findet dort am 29. Mai 2026 eine gemeinsame Veranstaltung statt.

Das Projekt "Wildheuen - immaterielles Kulturerbe" wird mit Mitteln aus dem Interreg-VI-Programm "Alpenrhein-Bodensee-Hochrrhein" sowie vom Museumsverein Klosterstal und der Region Prättigau/Davos finanziert.

 

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